Am 30.Juni 2007 fand ein Workshop für Notärzte "Höhlenrettung" in der Schertelshöhle statt.

Bild RettungsuebungPressebericht:

Höhlenrettung braucht Zeit

Es ist stockfinster. Stirnlampen erhellen spärlich den hinteren Teil des „Steinernen Hauses“ – einer Höhle nahe Westerheim auf der schwäbischen Alb. In einer so genannten Schleifkorbtrage liegt eine Patientin und wird von Notärzten und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Malteser Höhlenrettung e.V. durch einen niedrigen Gang transportiert. Es geht nur langsam voran. Glücklicherweise handelt es sich bei diesem Szenario nur um eine Übung im Rahmen eines Workshops, den die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Ulm zusammen mit der Malteser Höhlenrettung und der Arbeitsgemeinschaft in Bayern tätiger Notärzte (agbn) am vergangenen Samstag in der Westerheimer Schertelshöhle durchführte.

Als medizinischer Betreiber der Rettungshubschrauberstation Christoph 22 bietet die Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Ulm ein regelmäßiges Fortbildungsangebot für Notärzte und Rettungsassistenten.

Ein Rettungseinsatz in einer der vielen Karsthöhlen auf der Schwäbischen Alb ist zwar ein seltenes Ereignis, die steigenden Besucherzahlen in diesen Höhlen erhöhen jedoch das Risiko. Dabei stehen schwere Unglücke und Wassereinbrüche weit im Hintergrund, aber infolge der räumlichen Enge und steilen Wege können bereits ein verstauchter Knöchel oder ein Herzinfarkt bei einem der vielen Besucher das Rettungsteam vor ungeahnte Herausforderungen stellen.

Ziel des Workshops war es, erklärt Dr. Matthias Helm vom Ulmer Rettungshubschrauber, den teilnehmenden Notärzten aus ganz Deutschland die Besonderheiten einer Höhlenrettung zu verdeutlichen. Dank der Gastfreundschaft des Westerheimer Höhlenvereins war es möglich, die Schertelshöhle, das „Steinerne Haus“ sowie das dazugehörige Rasthaus des Vereins ganztägig für die Ausbildung zu nutzen.

Am Vormittag wurde mit sechs Referaten die besondere Problematik der Höhlenrettung aus einsatztaktischer und medizinischer Sicht beleuchtet. Zur Sprache kamen dabei sowohl die Situation in Trockenhöhlen, die Besonderheiten des Höhlentauchens, als auch die technischen Möglichkeiten der Feuerwehr bei der Rettung aus Kanalsystemen im städtischen Bereich.

Nach einem herzhaften Mittagessen, das vom Betreuungszug des DRK Laichingen unter Leitung von Hans Wiedmann bereitet wurde, erhielten alle Teilnehmer eine leistungsstarke Stirnlampe, die nicht nur in Höhlen, sondern nach Erfahrung der Veranstalter auch im nächtlichen Notarzteinsatz hervorragende Dienste leistet.

In den folgenden Stunden konnten sich die Teilnehmer im Rahmen einer Stationsausbildung in Kleingruppen selbst ein Bild von den besonderen Bedingungen der Höhlenrettung machen. Geübt wurden der oben beschriebene Patiententransport mit der Schleifkorbtrage ebenso, wie das Abseilen von Helfern und das Überwinden von Steilstufen mit Patienten in der Trage. Das 24 m tiefe „Kuhloch“ der Schertelshöhle bot hierfür einen besonderen Rahmen.

Schnell wurde den Teilnehmern deutlich, dass ein sicherer Patiententransport in Höhlen zeitaufwendig ist. Während die Notärzte gewohnt sind, Ihre Patienten mit Blaulicht, Martinshorn oder gar dem Hubschrauber schnellstmöglich in eine geeignete Klinik zu bringen, mussten Sie nun lernen, wie mit einfachen Hilfsmitteln ein Wärmezelt innerhalb einer Höhle errichtet werden kann, wenn die Rettung infolge aufwendiger Sicherung des Transportweges Stunden bis Tage dauern kann, oder gar der Rückweg durch Wassereinbruch nur Tauchern möglich ist.

Am Ende des interessanten Tages erklärt uns Dr. Björn Hossfeld vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm, hatten die mehr als 30 Teilnehmer viel gelernt. Eine Wichtige Erfahrung bleibe jedoch: „Die Rettung aus Höhlen erfordert nicht nur spezialisierte Einsatzkräfte, sondern vor allem eines – Zeit!“

 

V.i.S.d.P. :

Björn Hossfeld
Oberstabsarzt
Facharzt für Anästhesiologie
Bundeswehrkrankenhaus

89070 Ulm

Fotos:

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